| Geschichte des Domstifts NaumburgDer Naumburger Dom ist das meistbesuchte Denkmal an der "Straße der Romanik" in Sachsen-Anhalt und hat eine lange Geschichte. Bereits im Jahr 1000 errichteten die ekkehardinischen Markgrafen von Meißen eine neue Burg - die Nuwenburch - legten damit den Grundstein für die Entwicklung von Stadt und Stift Naumburg. Nachdem die beiden Markgrafenbrüder Hermann und Ekkehard II. auch die Verlegung des Bistumssitzes von Zeitz nach Naumburg erfolgreich betrieben hatten, etablierte sich in Naumburg seit 1028 mit dem Domstift ein sakrales Zentrum. Die ersten beiden Jahrhunderte der Diözese standen im Zeichen des inneren Ausbaus sowohl der Herrschafts- als auch der Kirchenstruktur, dessen wichtigste Aufgabe immer noch in der Missionierung des weitgehend slawisch besiedelten Landes östlich der Saale bestand. Die erste Blüte erlebte das Naumburger Bistum in der Mitte des 13. Jahrhunderts. In Naumburg und Zeitz entstanden neben den älteren Dombezirken jüngere Bürgerstädte. Auch der Naumburger Dom sollte dem neuen Repräsentationsbedürfnis angepasst werden. Für die abschließenden Arbeiten am Neubau des Domes konnte mit dem so genannten Naumburger Meister eine der herausragenden Künstlerpersönlichkeiten des Mittelalters gewonnen werden, aus dessen Werkstatt mit dem Westlettnerprogramm und dem Stifterzyklus im Westchor kulturelles Erbe von Weltrang hervorging. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verloren die Bischöfe an Bedeutung. Aufgrund zunehmender Auseinandersetzungen mit den Wettinern, den erstarkenden Städten und schließlich mit dem in Naumburg immer selbstbewusster auftretenden Domkapitel zogen sie sich in das alte bischöfliche Zentrum Zeitz zurück. Dort konnten sie - weiterhin als Naumburger Bischöfe - über die Masse der Herrschaftsrechte des Hochstifts verfügen. Die dauerhafte Verlegung der bischöflichen Residenz nach Zeitz änderte nichts an der Vorrangstellung der Naumburger Domkirche, der sich schließlich auch das Zeitzer Stiftskapitel unterordnen musste. Die Domherren wurden zu einer kulturprägenden Instanz im Bereich der Naumburger Domfreiheit. Mit ihren imposanten Herrenhöfen, die den Dom wie ein Kranz umschließen, ihren Altarstiftungen und vielfältigen Zeugnissen, haben sie ein beeindruckendes bau- und kulturhistorisches Ensemble hinterlassen. Die Reformation war im Bistum bereits sehr früh erfolgreich. Am herrschaftsrechtlichen Status der Kapitel änderte sich auch in der nun folgenden Periode der evangelischen Administratoren des Stifts nichts. Beide geistliche Institutionen setzten sich immer wieder erfolgreich gegen vielfältige Versuche der Säkularisierung durch. Weder den Herzögen der Sekundogenitur Sachsen-Zeitz (1657-1718) noch der preußischen Administration (nach 1815) gelang die Auflösung der Kapitel. Die Umwandlung der Kapitel in Merseburg, Naumburg und Zeitz in Einzelstiftungen unter der Aufsicht des preußischen Staates stellte schließlich einen Kompromiss dar, der die Existenz dieser einzigartigen Körperschaften bis in die heutige Zeit zu sichern vermochte. Seit der Zusammenführung der Einzelstiftungen unter eine gemeinsame Verwaltung im Jahre 1930 besteht heute nur noch das Naumburger Domkapitel als Vorstand der Stiftung. |
| Der Naumburger MeisterWeltbekannt ist der Naumburger Dom vor allem durch die Arbeiten des Naumburger Meisters, eines namentlich unbekannten deutschen Architekten und Steinbildhauers. Durch die gotische Kathedralbaukunst Nordfrankreichs inspiriert, schuf er u.a. den Westlettner im Dom zu Mainz, von dem jedoch nur wenige Teilstücke erhalten geblieben sind. In der Mitte des 13. Jahrhunderts gelangte der Meister nach Naumburg, wo er u. a. für die Planung, Ausstattung und Ausführung des Westchores verantwortlich war. Die geglückte Verbindung von Architektur, Plastik und Glasmalerei ist in ihrer Art einzigartig. Insbesondere faszinieren die Reliefs zur Passionsgeschichte am Westlettner und die zwölf überlebensgroßen Stifterfiguren im Westchor (bekannteste Stifterfigur: Uta von Naumburg) durch ihre unvergleichliche Wirklichkeitsnähe und Ausdruckskraft. |
| StifterfigurenDer Westchor des Naumburger Doms birgt einen der künstlerischen Höhepunkte des mittelalterlichen Skulpturenprogramms. Der in der Mitte des 13. Jahrhunderts von der Werkstatt des Naumburger Meisters geschaffene Stifterzyklus zählt zu den bekanntesten Werken der deutschen Frühgotik. Es handelt sich um zwölf lebensgroße Figuren aus Stein - monumentale Grabdenkmale für acht Männer und vier Frauen des Hochadels. Bis heute wirft der Zyklus hinsichtlich seiner Bedeutung und vor allem der Entschlüsselung seiner reichen Symbolik viele Fragen auf. Die 12 überlebensgroßen Stifterfiguren weisen eine für die damalige Zeit unvergleichliche Wirklichkeitsnähe und individuelle Ausdruckskraft auf. Vor allem die Stifterfigur Uta von Naumburg vermag jährlich tausende Besucher in ihren Bann zu ziehen. (Text auf der Grundlage der Website des Naumburger Doms.) |